Welche Erwartungen hat der Erdbaubetrieb?

- er möchte ein Abrechnungssystem das unkompliziert in der Bedienung ist
- es sollte leicht erlernbar sein, damit eventuell auch mehrere Personen damit arbeiten können
- die Massenermittlung muß nachvollziehbar sein und sollte vom Auftraggeber möglichst ohne Diskussion akzeptiert werden
- das System sollte so einfach sein, dass man beim Einschalten nicht lange nachdenken muss, auch wenn es mal für längere Zeit nicht im Einsatz war
- es sollte einen deutlichen finanziellen Vorteil bringen
- ein grosses Display um ordentlich arbeiten zu können
- das System muss für die Zukunft gerüstet sein. D.h. es sollten auch Schnittstellen zu anderen Programmen vorhanden sein, wie DXF, REB-VB
- es sollte präzise sein
- das Messsystem sollte von 1 Person alleine bedienbar sein





Woran erkennt man gute Systeme?

Gute Messgeräte und Software erkennt man in erster Linie daran, ob sie wirklich in den Firmen eingesetzt werden.

Während ein Ingenieurbüro bereit ist, verschiedene Messgeräte und Software praktisch parallel zu Nutzen, setzt der Erdbauer auf weit wenigere Komponenten. Er wird um das Tachymeter einen sehr großen Bogen machen und relativ schnell erkennen, dass das Meßsystem mit GPS von der Bedienung und Einfachheit her für ihn das richtige wäre. Das heißt nicht, dass GPS automatisch besser als das Tachymeter ist. Mit GPS ist's einfacher, es geht schneller und wenn ein System mit GPS- und Glonass arbeitet gibt es nur mehr sehr wenige Situationen, in welchen ausschließlich mit Tachymeter vermessen werden kann.

Der Ingenieur empfindet es als ganz normal, während der Vermessung eine zweite Person zur Verfügung zu haben, der Erdbauer denkt hier weit rationeller. Die Vermessung und Massenberechnung ist in seiner Kalkulation nur eine sehr kleine Position.

Bei der Software ist es im großen und ganzen ähnlich. Der Ingenieur hat ein CAD-Programm, dann noch eine zusätzliche Applikation, die ihm die wirklichen Funktionen bereitstellt, die er im Alltag benötigt. Der Erdbauer möchte ein Programm, das ihm sofort mächtige Funktionen für die Massenberechnung liefert. Von einem zusätzlichen CAD-Programm, das im Hintergrund läuft, möchte er lieber nichts wissen, es wäre ihm eher eine Belastung.

Die Vermessung möchte der Erdbauer am liebsten so durchführen: Er drückt auf die Taste Baugrube-Oberkante und geht danach 1x herum, genauso mit dem Urgelände und der Aushub-Unterkante.
Der Ingenieur hingegen ist es gewohnt mit Codierungen und Feldbuch zu arbeiten. Er bastelt sich das Vermessungs-Resultat später im Büro zusammen. Dort ist der Erdbauer jedoch schon längst am Ziel - wenn er ein schlaues System besitzt!



Tachymeter und CAD

Bis vor 10 Jahren war dies praktisch die einzige Möglichkeit, eine präzise Massenabrechnung durchzuführen.
Die gut ausgebildete Arbeitskraft hat ein Tachymeter für die Vermessung. Nach erfolgter Vermessung im 2-Mann-Betrieb werden die Daten mit einem Kabel und Überspielsoftware auf den PC übertragen. Dort wird mit dem CAD-Programm und der entsprechenden Applikation weitergearbeitet.

Vorteile: Die CAD-Applikation ist vielleicht schon vorhanden und das Tachymeter gibt's gebraucht mittlerweile um ein paar tausend Euro.

Nachteile: Die Vermessung mit 2 Personen wird sehr schnell teuer und unwirtschaftlich. Die Personalkosten sind mit dieser Lösung deutlich höher, als bei allen anderen Varianten. Wird anstatt dem normalen Tachymeter eine Robotik eingesetzt, so rechnet sich das schon nach 3 Monaten. Trotzdem, kompliziert bleibts, und dem gut ausgebildeten Personal vorbehalten.



GPS im Referenznetz und CAD

Das Messsystem ist einfach in der Bedienung. Die Vermessung kann sehr schnell durchgeführt werden. Auch das Überspielen der gemessenen Daten mit Speicherkarte oder USB ins CAD-System ist unkompliziert. Der schwierigere Teil der Arbeit liegt in der Arbeit mit dem CAD und der Applikation.
Viele GPS-Messyssteme die heutzutage im Einsatz sind, können die russischen Satelliten nicht empfangen oder Auswerten. Das liegt daran, dass das Referenznetz die Glonass-Referenzdaten nicht liefern kann oder der Rover nur die Glonass-Option besitzt oder der Empfänger gar keine Glonass Satelliten unterstützt. Durch die hohe Anzahl der russischen Satelliten ist der Unterschied ob mit oder ohne Glonass enorm.

Vorteile: Unkompliziert bei der Vermessung, wenn Glonass in Anwendung, dann kann es in fast allen Fällen gut eingesetzt werden. Außerdem gibt das Messgerät kurz nach dem Einschalten bereits echte Gauß-Krüger Koordinaten aus, die jedoch vor Ort nachkontrolliert werden sollten.

Nachteile: Die Abrechnung mit der CAD-Applikations-Kombination ist dem gut ausgebildeten Personal vorbehalten. Das Referenznetz und GSM für das GPS ist teuer und der GSM Emfang ist in manchen Gegenden nicht sichergestellt. Die Kosten für das Referenznetz+GSM können durchaus 2-3 tausend Euro pro Jahr betragen. Auf längere Sicht rentiert sich eine eigene Referenzstation. Dadurch würde außerdem die manchmal kritisierte Messgenauigkeit der Höhenkoordinate erhöht werden.



GPS+Glonass+Referenzstation und Massenermittlung

Das Messgerät empfängt die amerikanischen GPS- und die russischen Glonass-Satelliten und ist damit fast überall einsatzbereit. Rover und Basis sind aufeinander abgestimmt. Es gibt keine weiteren Dienste, die in Anspruch genommen werden. Dadurch ist das System unabhängig. Die Referenzstation befindet sich in der Regel ein paar hundert Meter vom Rover entfernt, dadurch arbeitet das Messsystem sehr genau. Bei einem Komplettsystem vermisst man bereits innerhalb eines Projekts. Man kann sich das so vorstellen: Man misst um eine Baugrube herum und sieht bereits auf dem Display wie die Baugrube entsteht. Wenn das Gerät ausgeschaltet wird, dann ist die Massenermittlung schon zu einem großen Teil erledigt, das heisst wesentlich weniger Büroarbeit und Notizen auf der Baustelle. Natürlich ist solch ein System genau auf die Bedürfnisse eines Erd- und Tiefbaubetriebs hin optimiert. Aber viele Vermessungs-Ingenieure haben die Vorteile auch schon erkannt.

Vorteile: Es ist sicher von der Bedienung her, das einfachste System und für den Erdbauer auch das schnellste System um seine Massen nachweisen zu können. Wenn man von einem gebrauchten Tachymeter absieht, ist es auch das System mit dem geringsten Kaufpreis. Den wirklichen Unterschied bei den Kosten macht aber der laufende Betrieb aus. Während man bei diesem System nach dem Kauf praktisch schon alles hat was man benötigt, wird's bei den anderen Lösungen im Laufe der Jahre sehr teuer.

Nachteile: Das Gerät benötigt nach dem Einschalten zumindest 1 genauen Punkt für das Gauss-Krüger-Koordinatensystem. Dieser kann jedoch auch im späteren Projektverlauf hinzugefügt werden.




RTK im Einsatz